265125_1_pf_ausstellung_5sp_4c_031207.jpgEröffnung am 1.Advent 2007

Kleintettau – „Wir wollen unserer Bevölkerung vermitteln, welche Pfunde wir hier am Rennsteig haben, mit denen wir wuchern können“, sagte Carl-August Heinz gestern bei der Eröffnung der Sonderausstellung zur Geschichte der Stockheimer Glasindustrie. Die Ausstellung ist in den Räumlichkeiten des zukünftigen Glasmuseums in Kleintettau zu sehen, wo der Unternehmer zahlreiche Ehrengäste, Interessierte und Mitglieder des neugegründeten Glasbewahrervereins begrüßen konnte.

Photo: Carl August Heinz übergab Kreisheimatpfleger Gerd Fleischmann ein Erinnerungsgeschenk als Dank für sein Engagement um die Ausstellung über die Geschichte der Glasindustrie im Frankenwald.
Fotograf/Quelle: P. Fiedler

Das geplante Museum stehe grundsätzlich für das die Region prägende „Gewerbe Glas am Rennsteig“, verdeutlichte Carl August Heinz. Die Sonderausstellung befasse sich mit einer fast vergessenen sehr interessanten Glashüttengeschichte im Landkreis Kronach. Als im Jahr 1906 in Tettau und Kleintettau rund 80 Personen in zwei Glashütten beschäftigt waren, waren es in Stockheim bereits 400 Arbeiter. Es sei aber auch wichtig, aus dieser Geschichte zu lernen, so der Firmenchef.

Schnelles Ende
„So groß die Glashütte war und so gut es ihr ging, vor allem in den ‚roaring twenties‘, auf einmal war es mit ihr zu Ende. In der Weltwirtschaftskrise lief innerhalb von einem Jahr gar nichts mehr“, sagte Carl August Heinz. Danach habe niemand mehr den Mut gefunden, mit der Glashütte wieder zu beginnen, obwohl sie mit Steinkohle und einem Bahnanschluss über eine sehr gute Lage verfügte. „Also, auch wenn es gut geht: Vorsicht! Es kann schnell wieder zu Ende gehen“, warnte Carl August Heinz.
„Der Landkreis Kronach ist reich an Traditionsunternehmen. Das ist ein Pfund, mit dem wir wuchern können und wollen. Dabei spielt die Glasindustrie und die Porzellanindustrie in der Rennsteigregion eine ganz bedeutende Rolle“, unterstrich Landrat Oswald Marr. Man könne nur das, was man bodenständig habe, entsprechend vermarkten; alles andere, was künstlich aufgesetzt werde, bringe nichts, sagte er. Man müsse versuchen, die vorhandenen Arbeitsplätze zu sichern, dafür habe man vor Ort innovative und hervorragende Unternehmen. Und man müsse die Region positiv nach außen vermarkten. „Regionen, die bekannt sind, werden auch angenommen“, ist der Landrat überzeugt. Er bedankte sich deshalb für das Engagement der Industriebetriebe, die sich im Bereich der Regionalentwicklung eingebracht haben. „Dies findet man nicht überall“, sagte der Landrat.

Wichtiges Projekt
Er dankte im Besonderen Carl August Heinz, der dies im Verbund mit anderen Firmen gemeinsam in die Hand genommen habe. „Das entstehende Museum ist wichtig“, betonte der Landrat, „denn selbst viele Menschen im Landkreis wissen nicht, wie die Glasindustrie entstanden ist und vor allem wie viele Firmen man vor Ort hat, die sich weltweit behaupten.“ Wenn man dies aber wisse, so gebe dies Anlass für ein neues „Wir-Gefühl“. Der Landrat hoffte, dass die Glasindustrie durch das Museum noch mehr in den Fokus der Öffentlichkeit treten werde. Großes Lob zollte der Landrat auch Kreisheimatpfleger Gerd Fleischmann für seinen großartigen Einsatz, um historische Zusammenhänge und Entwicklungen im Landkreis zu beleuchten.

„Die Stockheimer Glasfabrik Sigwart und Möhrle, ein einst mächtiges Unternehmen in Stockheim mit bis zu 400 Glasbläsern, ist schon längst in Vergessenheit geraten“, erklärte Kreisheimatpfleger Gerd Fleischmann. Wer heute von Stockheims Vergangenheit spreche, der denke unwillkürlich an den über 200-jährigen Steinkohlenbergbau. Dass sich jedoch in der ehemaligen Bergwerksgemeinde eine bedeutsame Glasindustrie von 1810 bis 1930 ansiedelte, sei nur noch wenigen bekannt. Dieses Wissensdefizit dürfte mit der Sonderausstellung an der Geburtstätte der Glasherstellung im Frankenwald in Kleintettau sicherlich der Vergangenheit angehören.

Fundament für heute
„In unserer Vergangenheit geht es nicht nur um Schlösser und Burgen, Könige und Grafen“, sagte Gerd Fleischmann. „Schließlich ist in der industriellen Vergangenheit das Fundament gelegt worden für den Fortschritt vor heute“. Das Kleintettauer Glasmuseum sei eine großartige Grundlage dafür, dieses Wissen allen Interessierten zu verdeutlichen und es für die Zukunft zu konservieren.
Gerd Fleischmann bedankte sich abschließend vor allem bei Carl August Heinz, der sich mit großem persönlichen Einsatz für die Realisierung der Ausstellung eingesetzt habe. Große Anerkennung gelte auch dem örtlichen Glasbewahrerverein, der sich tatkräftig für den Fortbestand der örtlichen Glashistorie einsetze.

Siehe auch Presse:
Deutsche HEINZ-Glas/Plastics-Gruppe erwirbt Mehrheit an der Ganahl AG in Volketswil/Schweiz